Spülen des Katheters

Das richtige und vor allem sterile Spülen des Katheters ist so essentiell, dass ich dieser Tätigkeit eine eigene Seite spendiere.

Es ist übliche Praxis, das ein zentralvenöser Katheter immer vor und nach der Nutzung gespült wird. Dabei wird mit 1x 10 ml oder besser mit 2x 10 ml Kochsalzlösung gespült. Die Kochsalzlösung wird bei Erwachsenen mit 1 ml pro Sekunde und bei Kindern mit 1 ml pro fünf Sekunden eingespült.

Vorschlag zum Spülen

Basierend auf meinem aktuellen Wissensstand, stelle ich hier die Spülvariante vor, so wie ich sie zur Zeit anwende.

Generelles vorne weg: Vor dem Anschluss der parenteralen Ernährung (pE) spüle ich den Katheter mit 10 ml Kochsalzlösung. Nach der pE spüle ich immer mit 2x 10 ml, um den Katheter möglichst gründlich von den pE-Resten zu reinigen. Ansonsten spüle ich zwischendurch immer mit 1x 10 ml.

Noch eine Besonderheit: Ich spüle ca. alle 12 Stunden. Das ist eine recht spezifische Variante für mich, da ich einmal nach dem Einspülen des Blockers (TauroLock) eine allergische Reaktion erlitten habe. Diese trat auf, nachdem der Blocker ca. 24 Stunden im Katheter stand und von mir recht schnell eingespült wurde. Kurz danach war mein ganzer Körper von Blasen übersät und ich wurde im Rettungswagen in die Notaufnahme gefahren.
Um eine solche allergische Reaktion in Zukunft zu vermeiden, lasse ich den Blocker nun nicht mehr so lange im Katheter stehen und spüle ihn nach ca. 12 Stunden mit 1x 10 ml Kochsalzlösung ein. Die ersten 2 ml spüle ich dabei besonders langsam ein (ca. 5 Sekunden pro ml), damit der Katheter-Inhalt nur ganz langsam in die Blutbahn gelangt.
Diese allergische Reaktion habe ich nur dieses einziges Mal erlebt und danach nie wieder.

Die einzelnen Schritte beim Spülen:

  • Zuerst wird alles zum sterilen Arbeiten vorbereitet:
    Mundschutz und Kittel anlegen, Hände gründlich waschen, Hände gründlich und am besten mehrfach sterilisieren, sterile Unterlage auslegen, nochmals die Hände sterilisieren, die benötigten Hilfsmittel auspacken und bereit legen.
  • Danach wird der Katheter-Anschluss (Bionecteur) desinfiziert (mindestens 20 Sekunden Einwirkzeit).
  • Mit der einen Hand eine sterile Mullkompresse nehmen und das Ende des Katheters (mit etwas Abstand zum Konnektor) festhalten. Mit der anderen Hand die Spritze mit der Kochsalzlösung anschließen (bitte keine kleinere als eine 10 ml Spritze verwenden, da sonst der Druck beim Spülen zu hoch werden kann).
  • Die ersten 2 ml der Kochsalzlösung langsam, mit ca. 1 ml pro zwei Sekunden einspülen. Damit vermeidet man, dass das, was sich im Katheter befindet, sich auf einen Schlag in die Blutbahn ergießt (Mischung aus altem TauroLock/TauroSept, aus alter und „abgestandener“ Kochsalzlösung, eventuell auch noch aus etwas eingedrungenem Blut).
  • Danach spüle ich die restliche Kochsalzlösung pulsierend ein. Dabei spüle ich bei jedem Puls ca. 0,5 ml Kochsalzlösung ein und pulsiere jeweils 2x pro Sekunde. Pulsieren bedeutet, dass man kurz den Druck kurz erhöht und ihn gleich danach wieder reduziert.
    Vorsicht: Nie mit zu hohem Druck arbeiten! Der Druck sollte beim Pulsieren nie höher als beim kontinuierlichen Spülen sein!
  • Danach schließe ich eine zweite Spritze mit Kochsalzlösung wie oben beschrieben an und spüle die zweiten 10 ml Kochsalzlösung ein. Bei der 2. Spülung kann man direkt mit dem Pulsieren starten.
  • Nach dem Spülen schließe ich die vorbereitete Spritze mit dem Blocker (TauroSept, TauroLock) an und spritze davon allerdings nur soviel in den Katheter ein, dass dieser gerade gefüllt wird. Bei meinem aktuellen Katheter sind das 0,8 ml (Lumen). Nun ist der Katheter geblockt.
    Die Lumenangabe des Katheters findet man übrigens bei den Katheter-Herstellern im Internet. Die dafür notwendige Katheter-Spezifikation kann man seinem Katheter-Ausweis entnehmen.
  • Danach umwickle ich das Katheter-Ende mit einer Mullkompresse und fixiere sie mit etwas Leukosilk. Das ist auf der Haut einfach angenehmer als das harte Plastik des Konnektors oder des Bionecteurs.

Hinweise

Bei der Anwendung des Pulsierens bitte unbedingt darauf achten, dass kein zu hoher Druck ausgeübt wird! Der Druck sollte nie höher als beim kontinuierlichen Spülen sein.

Immer auf absolute Sauberkeit und Sterilität achten! Wer bei diesen Tätigkeiten schluderig arbeitet und nicht ständig auf Sterilität achtet, kontaminiert möglicher Weise seinen Katheter und somit sich selber.
Wenn es dumm läuft, landet man mit einem infizierte Katheter und einem Infekt im Krankenhaus. Dort darf man sich dann seinen Katheter entfernen und einen neuen Katheter setzen lassen.

Der Katheter sollte regelmäßig gespült werden!
Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) „Künstliche Ernährung im ambulanten Bereich“ schlägt bei Nicht-Nutzung nur einen monatlichen Rhythmus zum Spülen vor.
Auch wenn ich meinen Katheter nicht benutze, so spüle ich ihn täglich. Denn ich hatte bereits einmal einen verstopften Katheter der nicht mehr zu benutzen war. Er musste damals ausgetauscht werden. Den nächsten Austausch möchte ich daher so lange wie möglich hinaus zögern.

Die Anwendung dieses „pulsierenden Spülens“ bitte vorab mit dem behandelnden Arzt abstimmen.

Verhindern des Biofilms

Eine weitere Pflegemaßnahme ist das Spülen mit „FrekaVit wasserlöslich“. Das sind die wasserlöslichen Vitamine, mit denen die parenteralen Ernährung ergänzt wird. Es enthält u.a. Vitamin C, welches den Biofilm im Katheter reduzieren kann.

Um den Biofilm zu reduzieren ziehe ich das „FrekaVit wasserlöslich“ mit einer 10ml NaCl Spritze auf und spüle diese Lösung direkt und unverdünnt in den Katheter. Da mein Katheter ein Lumen von etwas über 1 ml hat, spritze ich jeweils ca. 2 ml der FrekaVit-Lösung ein. Diese lasse ich dann für zwei Minuten im Katheter stehen. Danach spritze ich die nächsten 2 ml rein und lasse die wieder 2 Minuten stehen. So kann das Vitamin C mehrfach wirken. Dann die nächsten 2 ml …. und so weiter, bis die 10 ml aufgebraucht sind.

Dieser „Trick“ hatte mir schon bei meinem ersten Katheter geholfen, den mittlerweile sehr schlechten Durchfluss zu verbessern. Zu dem Zeitpunkt dauerte das Infundieren von einem Liter Jonosteril per Schwerkraft über sechs Stunden, ein deutlicher Hinweis, dass der Katheter nicht mehr frei durchgängig ist!

Weitere Infos zum „Pulsatile Flushing“

Hier noch ein kurzer Ausflug zur Technik des „Pulsierenden Spülens“:

Die Firma Tauro-Implant GmbH (Hersteller von u.a. TauroLock) hat mich auf die Technik des „pulsierenden Spülen“ aufmerksam gemacht. Freundlicher Weise hatte man mir eine Literaturrecherche von Christina Boord im „Journal of Infusion Nursing, Vol 42, No 1, 2018/2019“ mit dem Titel „Pulsatile Flushing“ zukommen lassen. Darin hat die Autorin eine medizinische Literaturrecherche durchgeführt.

Bei den der Recherche zugrunde liegenden Artikeln wurden unterschiedliche Varianten der Katheter-Spülung mit einer Kochsalzlösung verglichen. Als Vergleichsbasis diente dabei eine Spülung, bei der 10 ml Kochsalzlösung kontinuierlich durchgespült werden. Damit wurde dann der Reinigungseffekt einer pulsierenden Spülung verglichen.
Das Ergebnis der Studie:
Der stärkste Reinigungseffekt trat bei einem Puls von 0,4 Sekunden auf, also ca. 2x pro Sekunde den Spüldruck erhöhen und reduzieren.

RECOMMENDATION FOR PRACTICE

Flushing catheters before and after use is a routine nursing practice used to prevent catheter occlusions. The practice of pulsatile flushing with 0.9% sodium chloride appears more efficient than current practice in preventing occlusions and is relatively inexpensive because it requires no additional supplies. In addition, the practice of pulsatile flushing presents no risks to the patient because routine flushing is part of current practice to maintain patency of CVADs (Central Vascular Access Devices).
Excessive force during flushing, regardless of technique, should be avoided because this creates high pressure within the catheter, leading to potential damage of the catheter.

Übersetzung:
Das Spülen des Katheters vor und nach der Benutzung ist Routine in der Pflegepraxis um Katheter-Verstopfungen zu verhindern. Die Praxis der pulsierenden Spülung mit 0,9% Natriumchlorid scheint effizienter als die derzeitige Praxis zur Verhinderung von Verschlüssen zu sein und ist relativ kostengünstig, da keine zusätzliche Versorgung erforderlich ist. Darüber hinaus birgt die Praxis der pulsierenden Spülung keine Risiken für den Patienten, da die routinemäßige Spülung Teil der gegenwärtigen Praxis ist, um die Durchgängigkeit von CVADs (Central Vascular Access Devices = zentralvenöse Katheter) aufrechtzuerhalten. Übermäßige Kraft beim Spülen sollte unabhängig von der Technik vermieden werden, da dies einen hohen Druck im Katheter erzeugt, der zu einer möglichen Beschädigung des Katheters führen kann.

Katheter-Reparatur

Einen Katheter kann man sogar reparieren. Was dabei zu beachten ist habe ich im nächsten Kapitel „Katheter-Reparatur“  beschrieben.